Ab gehts nach Österreich. Nach dem Pausentag auf der Reintalangerhütte folgte die anstrengendste Etappe der gesamten Wanderung. Ziel des Tages war die Holchfeldern Alm im Gaistal südlich des Zugspitzmassivs. Auf dem Weg dahin passierten wir die Knorrhütte. Diese steht im Wettersteingebirge an der Schwelle des Zugspitzplatts südwestlich unterhalb des Brunntalkopfes.
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| Sonnenaufgang im Wettersteingebirge |
Da es an den vorangegangene Tagen vor allem um die Mittagszeit herum sehr heiß und sonnig war, hatten wir uns für den anstehenden Tag vorgenommen, früh auszubrechen und die Kühle des Morgens noch zu nutzen. Daher ging es um 06:30 bereits los. Und trotz der frühen Uhrzeit ließ die Sonne nicht lange auf sich warten und schob sich zwischen den Bergen hindurch.
Wir wanderten zunächst noch ein Stück entlang der Partnach Richtung Quelle, bevor wir uns links hielten, um langsam aber allmählich von der hohen grünen Vegetation in den Bereich zu kommen, in dem die Sträucher und Büsche immer kleiner und gedrungener wuchsen. Es ging unerbittlich bergauf und es wurde mit jeder Stunde wärmer. Zu Sonnenaufgang liefen wir noch über eine kleine ebene Grasfläche, doch diese wurde schon bald von unebenen steinigem Boden abgelöst. Und da holten uns auch schon die ersten Menschen ein, die schneller unterwegs waren als wir. Aber wir ließen uns nicht stressen, wir hatten ja schließlich Urlaub.
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Die letzte Ebene Fläche, bevor es an den Aufstieg zur Knorrhütte geht. | | |
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Als der Untergrund immer felsiger wurde und das Gehen und Auftreten durch die Steigung immer anstrengender, kamen erneut Marlis Pfotenschuhe zum Einsatz. In unserem Tempo eroberten wir uns immer mehr den Weg zur Knorrhütte. Zwischendurch machten wir immer wieder kleine Pausen, um Marli und uns selbst eine Trinkpause zu gönnen. Marli nutze diese Gelegenheiten stehts, um sich sofort in den Schatten zu legen. Dieser wurde nur leider mit zunehmender Höhe immer seltener, bis wir schließlich so hoch gewandert waren, dass der Boden nur noch aus Steinen bestand und keine schattenspendenden Pflanzen mehr hier ihre Wurzeln ausbreiteten. Es sah so aus, wie ich mir oft die Oberfläche des Mondes vorstelle. Und über uns die weiße Hausfassade der Knorrhütte. Ein Stück mussten wir noch.
Kurz bevor wir die Hütte erreichten, kamen wir an einzelnen großen Schafen vorbei, die augenscheinlich überhaupt kein Problem mit irgendwas hatten: weder mit der Hitze, noch mit den Steinen, noch mit den komischen Zweibeinern, die da schwitzend und keuchend den Berg hochkraxeln oder dem etwas zu kleinen Wolf, der sie begleitete. Marli beobachtete die Schafe neugierig.
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Marli mit Pfotenschutz und Rucksack im Schatten. |
Bei der Knorrhütte angekommen, haben wir eine längere Pause gemacht, etwas getrunken und unsere Köpfe in den eiskalten Wassertrog der Schafe getaucht. Der anstrengende Teil war geschafft...dachte ich. Hier oben sah es wirklich ein wenig aus wie auf dem Mond. Nur Geröll, Steine und vereinzelt Stellen, an denen ein grüner Teppich aus sehr hartgesottenen Pflanzen sich durchgesetzt hatte. Die Aussicht und das Wetter waren toll und entlohnten wirklich für alle Strapazen und Anstrengungen. Wir mussten allerdings auch sehr gut darauf achten, uns immer wieder einzucremen. Meine Haut ist so hell, gefühlt reicht es, wenn ich nur den kleinen Zeh raushalte und zack, Sonnenbrand. Meine Mutter hat dahingehend einen anderen Hauttyp, doch auch sie hat akribisch auf regelmäßiges Eincremen geachtet. Sogar Marli habe ich präventiv etwas Sonnencreme auf ihren Nasenrücken geschmiert, da sie dort sehr helle Haut hat und es eine der Stellen ist, die nicht vollständig mit Haaren bedeckt sind.
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| Die Knorrhütte |
Viele Leute, die wir trafen, wanderten hinter der Knorrhütte weiter zur Zugspitze. Für uns ging es nach der Pause in die andere Richtung zur deutsch-österreichischen Grenze. Diese erreichten wir nach ca. 90 Minuten. Ich musste schmunzeln: der "Grenzübergang" bestand aus einem alten niedrigen Metalltor. Auf der andere Seite erwartete uns ein sehr beeindruckendes Bild. Wir konnten in einen weiten Kessel schauen, der umgeben war von Bergen und in den sich ein Meer aus grünem Gras und Wildblumen ergoss. Es sah beinahe etwas unwirklich aus, dass sich inmitten dieser steinigen Landschaft so eine grüne Oase eingerichtet hatte. Unser Weg führte an der Felswand entlang. An einer Stelle gab es einen sehr großen Absatz, zu groß für Marli, um einfach hinunterzuspringen. Da musste Mama sie von oben anleiten und ich fing sie auf dem unteren Absatz auf.
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Der grüne Kessel hinter der Grenze |
Ab da an ging es bergab, der steinige Weg wich wieder grünen Grasflächen, Sträuchern und kleinen Bäumen. Und ich war er-
schöpft. Der Aufstieg zur Knorrhütte war fantastisch und auch sehr anstrengend gewesen. Ich hatte Hunger und freute mich darauf, an der Hochfeldern Alm aus den warmen Wander-
schuhen schlüpfen zu können.
Schließlich erreichten wir unser Ziel, müde, mit fettiger warmer Haut, auf der sich Sonnencreme und Schweiß über Stunden vermischt hatten. Erstmal etwas trinken, dann unter die Dusche und dann etwas essen. Herrlich. In der Nähe grasten Kühe, die Sonne schien, Berge in allen Richtungen. Nichts hätte schöner sein können. Gleichzeitig checkten meine Mama und ich aber auch immer wieder den Wetterbericht, denn für den nächsten Tag war tatsächlich ein Gewitter angesagt und ein Gewitter in den Bergen sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen. Zumal Marli auf Donnergeräusche leider gar nicht gut zu sprechen ist. Sie bekommt Angst, wenn es grollt, und möchte sich dann gerne möglichst gut irgendwo in einem engen Raum oder eine Höhle verstecken.
Zur Sicherheit gingen meine Mama und ich die Optionen durch, die wir hatten, falls das Gewitter es uns nicht erlauben würde, unsere Wanderung am nächsten Tag fortzusetzen. Und anschließend fielen wir alle drei müde in unsere Betten.
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Es ist schwierig, die Knorrhütte mit ihrer weißen Fassade in der grau-weißen Mondlandschaft aus der Ferne zu erspähen. |
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| Mama geht voran. |